12.12.2012

Zwei Tage und ein Affe

Was in zwei Tagen so alles passieren kann:
Am Tag 1 benutzen wir einen bequemen, aber unklimatisierten Bus um Costa Rica von West nach Ost zu durchqueren. Nur kurz zur Erinnerung: hier ist es heiß (wir wissen, dass sich solche Aussagen für Euch gerade anfühlen wie Peitschenhiebe – SORRY!). Wir fahren über Hunderte von Brücken, aber eine wird uns in Erinnerung bleiben, denn in dem darunterliegenden breiten Flussbett aalen sich etwa 15 Krokodile in der Sonne und im seichten Wasser. Und damit meinen wir nicht diese niedlichen kleinen Tiere wie auf dem Foto auf unserer hiesigen Tierseite. Die Dinger sind mal so richtig groß. Richtige Brocken. 4-5m Länge schätzungsweise. Beeindruckend, aber leider sind wir zu schnell dran vorbeigefahren, um Fotos zu machen.

Die Grenze passieren wir problemlos und kommen nach 8 Stunden Fahrt in David (Panama) an, wo wir zwar nicht übernachten wollen, uns aber im örtlichen Tourismusbüro nach einer Tour in einer Rum-Brennerei erkundigen wollen. Wie immer, wenn wir irgendwo ankommen, müssen wir uns erst mal orientieren. Dazu fragen wir verschiedene Menschen, die wir mal besser mal gar nicht verstehen. Letzten Endes fragen wir drei junge Fahrradpolizisten nach dem Weg. Und weil David wohl kein gefährlicher Ort ist, werden wir von den drei Polizisten zum Touri-Büro eskortiert (wir nehmen an, die hätten sonst Besseres zu tun, wenn’s hier gefährlich wäre, eine andere Erklärung lassen wir nicht zu :-)). Auf dem Weg klärt uns einer der Polizisten auf, dass wir uns in einer anderen Zeitzone befinden, als Costa Rica. Hans und Hanna Guck-In-Die-Luft haben daran natürlich überhaupt nicht gedacht. Das hat zur Folge, dass das Büro bereits geschlossen ist. Also werden wir zum Busbahnhof zurückeskortiert und landen sicher in unserem Bus nach Boquete.

Auf den Sitzen neben uns nehmen zwei ziemlich betrunkene Typen Platz, von denen einer kurz vor Ankunft den Sitz vor uns mit einer Toilette verwechselt und seinem Harndrang freien Lauf lässt. Veit’s Rucksack bekommt von der laufenden Suppe etwas ab. Willkommen in Panama und ein Hoch auf „Rei in der Tube“.

Das löst das Problem, nachdem wir im Hotel eingecheckt sind. Für 20 USD die Nacht schlafen wir im Hotel Rebequete. Ordentlich und sauber und WARMES Wasser – nach 4 Wochen kalt duschen können wir unser Glück kaum fassen. (Auch, wenn man der Fairness halber sagen muss, dass kalte Duschen hier nicht annähernd so kalt wie kalte Duschen Zuhause sind).
Unsere Nacht ist ein bißchen anstrengend, denn das Paar im Nebenzimmer nutzt den Großteil der dunklen Stunden nicht zum Schlafen… Mehrfach werden wir delikat geräuschvoll geweckt…

An Tag 2 wollen wir zu den heißen Quellen im Umland von Boquete (Los Pozos de Caldera). Leider fährt Sonntags kein Direktbus, ein Taxi ist uns mit 36,- USD für Hin- und Rückweg zu teuer, also nehmen wir einen Bus, der am Abzweig nach Caldera vorbeifährt und uns dort rauslässt. Die Aussagen, wie lange wir von dort fußläufig zu den Quellen brauchen, variieren zwischen 30 Minuten und 2 Stunden. Wir haben Glück, uns gabelt 10 Meter nach der Abzweigung eine panamaische Familie mit Pickup auf. Wir können die 40 minütige Fahrt (!) auf der Ladefläche mitfahren.

Dann landen wir im Paradies. Ein aus riesigen und kleineren Felssteinen bestehender Fluss, der zur Regenzeit vermutlich ein reißender Strom ist, erwartet uns mit angenehm erfrischendem Wasser. Zwei natürliche Thermal-Pools mit heißem, schwefelhaltigem Wasser sind von Feldsteinen umrandet. An einem davon sitzt ein Klammeraffe (das Tier, nicht das Bürowerkzeug) und ignoriert uns, obwohl wir ihm echt nah kommen. Dann zieht er von dannen und kommt erst zurück, als wir in Badewäsche im heißen Wasser sitzen. Jetzt läuft er schnurstracks auf Anne’s Rucksack zu. Der Affe fängt an, an der Tasche zu zurren und beginnt an der Seitentasche zu fummeln, in dem die 50+ Sonnencreme … und Annes iPhone stecken. Anne stürzt sich – so schnell es eben in diesen heißen Wasser mit steinigem Grund geht – auf das Tier und haut ihm mit lautem Gebrüll zaghaft auf die Finger. Es nützt nichts, der Affe lässt sich nicht abbringen. Anne ist machtlos, zumal es der erste Körperkontakt mit einem Affen überhaupt ist und sie befürchtet, dass dieser gleich anfängt zu kratzen und zu beißen. Letztlich schnappt sich der Dieb die Sonnencreme (glücklicherweise nur die und nicht das iPhone).

Veit verlässt den Pool, um dem Affen hinterherzulaufen und ihm die Flasche abzunehmen. Nicht, weil uns die Sonnenmilch so viel bedeutet, sondern weil Sonnencreme eher nicht zu den Grundnahrungsmitteln eines Primaten gehört. Dass er sich damit eincremen will, glauben wir eher nicht.
Der Affe ist schneller als Veit, flüchtet sich auf einen Baum, öffnet den Klappverschluss der Flasche und fängt an, daran zu saugen. Da ist nicht mehr viel drin, aber offensichtlich weiß er zu unserem Erstaunen, wie er das Ding drücken muss! Uns stockt der Atem. Wir wollen doch keinen Affen umbringen durch unsere Zivilisation! Nach einer weiteren Jagd um die Flasche (der Affe auf dem Baum, Veit am Boden) gewinnt Veit durch einen beherzten Sprung und der Affe guckt uns enttäuscht an.

Als Wiedergutmachung bietet Anne ihm Erdnüsse an. Er kommt vom Baum runter, nimmt sich eine Erdnuss vom Fußboden (Anne traut sich immer noch nicht, die Nüsse auf der ausgestreckten Hand hinzuhalten) und hechtet dann rüber zu Veit, der die Sonnenmilchflasche unter seinem im Gras liegenden Hemd zu verstecken versucht. Diesmal kommt es zum Kampf. Der Affe springt auf Veit, klammert sich mit 3 Beinen und Schwanz an Veit’s Bein fest und versucht, Veit die Flasche samt Hemd zu entreißen. Als ihm das nicht gelingt, startet er ein Ablenkungsmanöver und springt auf die Flip Flops, die Veit retten kann, dann wieder zurück zum Hemd… Wir haben in diesem Moment etwas Schiss, dass der Affe gleich garstig wird, tut er aber nicht. Resigniert lässt er von uns ab und zieht sich zu einem anderen Menschenpaar zurück, das eben angekommen ist und die Szenerie regungslos beobachtet.

Der Affe lässt sich von den Menschen streicheln und versteckt sich beleidigt hinter dem Mann, als wir uns nähern. Anne streichelt den Affen nun auch. Als das andere Paar sich zum Pool aufmacht, bleibt der Affe liegen und verträgt sich wieder mit Veit. Er lässt sich anfassen und klammert seinen Schwanz um Veit’s Bein. Jetzt ist er ganz ruhig und wir machen uns Sorgen, dass nun wohl die Sonnenmilch in seinem Magen angekommen ist und ihm schlecht ist. Anne füllt etwas Trinkwasser in eine Flasche und gibt sie dem Affen. Gierig nimmt er sie und trinkt daraus, als würde er nie etwas anderes machen. Das sieht so süß aus! Die ihm erneut angebotenen Erdnüsse (diesmal aus der Hand) nimmt er nur zögerlich, steckt sich eine ins Maul und schmatzt, was das Zeug hält. Wir sind fasziniert, wie menschlich er dabei wirkt.

Was dann passiert, ist unglaublich: der Affe kuschelt sich in Anne’s Schoß (die immer noch im Bikini dasitzt), umschlingt sie mit Armen, Beinen und Schwanz und fällt in einen tiefen, verträumten Schlaf. Er zuckt so wie Katzen, wenn sie tief und fest schlafen und grunzt zufrieden. So sitzen wir da bestimmt eine Stunde. Veit, Anne und der Affe – inmitten idyllischster Natur mit ein paar Enten, die sich in einem Bach tummeln, einem Pferd, das grast und sehr wenigen Menschen, die man gar nicht sieht oder hört. Wenn Anne sich bewegt, sucht sich der Affe eine neue, bequeme Kuschelposition und schläft weiter. Und immer schön klammern/festhalten dabei. Daher rührt wohl sein Name. Er scheint außer mit Müdigkeit nicht auf die Sonnenmilch zu reagieren und da wir irgendwann ja nun mal gehen müssen, lassen wir (nach mehreren Entklammerungversuchen), den Affen im Schatten weiterschlafen.

Überwältigt von der vollen Wucht der Natur machen wir uns auf und treffen nach ca. 1 h ein Taxi, das uns zurück nach Boquete bringt. Die heutige Nacht verbringen wir im Hostal Mercedes, einer Mehrparteienferienwohnung einer einheimischen Familie, wo wir für 20 USD ein Doppelzimmer haben mit Küchenbenutzung und Gemeinschaftsbad. (Aber kein Internet.)

Für Anne ist dieser Tag die bisher intensivste Erfahrung auf der Reise und wird sie einige Zeit nicht loslassen.

Panama scheint die ein oder andere Überraschung bereitzuhalten und wir freuen uns, euch von weiteren Erlebnissen zu berichten.

 

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